Leckerlis im Training richtig einsetzen

Hund bekommt ein Leckerli während des TrainingsLeckerlis im Hundetraining sind mehr als nur eine nette Geste – sie sind ein mächtiges Werkzeug für erfolgreiches Lernen. Wenn du deinem Hund neue Kommandos beibringst oder unerwünschtes Verhalten korrigieren möchtest, kann die richtige Belohnung den entscheidenden Unterschied machen. Doch viele Hundehalter stehen vor einer Herausforderung: Wie setzt man Leckerlis so ein, dass der Hund motiviert bleibt, ohne dass die Kalorienzufuhr außer Kontrolle gerät? Und wie vermeidet man, dass der Vierbeiner nur noch für Futter arbeitet?

In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Trainingsleckerlis gezielt und sinnvoll einsetzt, worauf du bei der Auswahl achten solltest und wie du verhinderst, dass dein Hund zum „Futterautomaten-Junkie“ wird.

Warum Leckerlis im Training funktionieren

Hunde lernen durch positive Verstärkung besonders effektiv. Wenn ein Verhalten für deinen Hund angenehme Konsequenzen hat, wird er es häufiger zeigen. Ein Leckerli erfüllt dabei mehrere Funktionen gleichzeitig: Es ist ein sofortiges, konkretes Feedback und löst ein positives Gefühl aus. Futter muss – im Gegensatz zu einem Lobwort – nicht erst mühsam als Belohnung erlernt werden. Die meisten Hunde empfinden Fressen von Natur aus als angenehm.

Aber es gibt noch einen weiteren Vorteil: Leckerlis helfen dir, das perfekte Timing zu trainieren. Gerade bei schnellen Abläufen wie dem Clickertraining oder beim Einüben neuer Kommandos ist es wichtig, dass die Belohnung unmittelbar nach dem gewünschten Verhalten erfolgt. Hunde verknüpfen Aktionen und Konsequenzen innerhalb von Sekundenschnellen – ein gut getimtes Leckerli kann hier Wunder wirken.

Manche Hundehalter haben Bedenken, dass ihr Hund ohne Leckerli nicht mehr hört. Doch diese Sorge ist unbegründet, wenn du Leckerlis richtig einsetzt. Der Unterschied liegt darin, ob du deinen Hund belohnst oder bestichst. Zeigst du ihm das Leckerli vorher, wird er nur arbeiten, wenn er es sieht. Gibst du es ihm erst nach dem Verhalten, lernt er: „Es lohnt sich grundsätzlich, auf meinen Menschen zu hören.“

Die richtigen Leckerlis für jede Trainingsphase

Nicht jedes Leckerli eignet sich gleich gut fürs Training. Je nach Aufgabe und Fortschritt solltest du unterschiedliche Snacks einsetzen.

Größe und Konsistenz

Für das Training sind kleine, weiche Häppchen ideal. Dein Hund sollte sie in Sekundenschnelle schlucken können, ohne lange darauf herumzukauen. Große oder harte Leckerlis unterbrechen den Trainingsfluss und können dazu führen, dass sich dein Hund verschluckt, wenn er zu hastig frisst.

Als Faustregel gilt: Die Leckerlis sollten etwa erbsengroß sein – bei kleinen Hunderassen entsprechend kleiner. Viele Trainingsleckerlis lassen sich problemlos von Hand oder mit einer Schere in die passende Größe zerteilen.

Weiche Leckerlis haben noch einen weiteren Vorteil: Sie duften oft intensiver als trockene Hundekekse und wirken dadurch motivierender. Bei besonders wählerischen Hunden können Soft-Snacks mit hohem Fleischanteil den entscheidenden Unterschied machen.

Qualität vor Quantität

Auch wenn es „nur“ um Trainingssnacks geht: Die Qualität sollte stimmen. Achte auf eine transparente Deklaration der Inhaltsstoffe. Hochwertige Trainingsleckerlis bestehen idealerweise aus reinem Fleisch oder Fisch ohne Getreide, Zucker, künstliche Farb- oder Konservierungsstoffe.

Besonders beliebt bei vielen Hundehaltern sind Monoprotein-Snacks, die nur eine einzige tierische Proteinquelle enthalten. Das macht sie besonders gut verträglich und eignet sich auch für Hunde mit Allergien oder sensibler Verdauung.

Das Wertigkeitsprinzip: Verschiedene Leckerlis für verschiedene Aufgaben

Nicht jedes Leckerli muss gleich wertvoll für deinen Hund sein. Im Gegenteil: Es ist sogar sinnvoll, wenn du verschiedene „Qualitätsstufen“ etablierst.

  • Standard-Leckerlis: Für einfache, bereits gut sitzende Kommandos wie „Sitz“ oder „Platz“
  • Mittelklasse-Leckerlis: Für Übungen, die noch nicht perfekt klappen oder etwas mehr Konzentration erfordern
  • Premium-Leckerlis: Für besonders schwierige Aufgaben oder wichtige Kommandos wie einen zuverlässigen Rückruf

Wenn dein Hund bei einem besonders hochwertigen Leckerli vor Aufregung kaum noch ansprechbar ist, eignet es sich nicht für komplizierte Trainingseinheiten. Behalte solche „Superleckerlis“ für Situationen auf, in denen es wirklich darauf ankommt – etwa wenn dein Hund sich von einem Hasen abrufen lassen soll.

 

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Timing ist alles: Wann gibst du das Leckerli?

Die Belohnung muss unmittelbar nach dem gewünschten Verhalten erfolgen – idealerweise innerhalb von ein bis zwei Sekunden. Nur so kann dein Hund das Leckerli mit der richtigen Aktion verknüpfen.

Stell dir vor, dein Hund setzt sich auf dein Kommando hin, steht aber wieder auf, während du noch in deiner Tasche nach dem Leckerli kramst. Gibst du ihm jetzt die Belohnung, verstärkt du das Aufstehen – nicht das Hinsetzen.

Deshalb: Halte die Leckerlis griffbereit, am besten in einem Leckerlibeutel am Gürtel oder in einer leicht erreichbaren Jackentasche. So hast du beide Hände frei und kannst blitzschnell reagieren.

Belohnung vs. Bestechung: Der entscheidende Unterschied

Hier liegt einer der häufigsten Fehler im Hundetraining: Viele Hundehalter zeigen ihrem Hund das Leckerli, bevor er das Kommando ausführt. Das Futter wird damit zum Teil des Signals. Der Hund lernt: „Wenn ich das Leckerli sehe, setze ich mich hin.“

Richtig ist: Das Leckerli bleibt unsichtbar. Dein Hund weiß zwar, dass es Belohnungen gibt, aber er sieht sie nicht vorab. So lernt er: „Wenn ich auf mein Frauchen höre, passieren gute Dinge – unabhängig davon, ob ich vorher etwas in ihrer Hand sehe.“

Es gibt allerdings Ausnahmen: Bei Übungen, bei denen dein Hund selbstständig herausfinden muss, wie er zum Erfolg kommt (etwa beim Clickertraining oder beim Erlernen von Tricks wie „Winken“ oder „Bellen auf Kommando“), darf das Futter durchaus als Lockmittel dienen. Hier ist es Teil der Motivation.

Für Kommandos wie „Komm“, „Bleib“ oder „Aufmerksamkeit“ gilt hingegen: Das Leckerli kommt erst nach der Ausführung.

Wie viele Leckerlis sind zu viel?

Eine der größten Sorgen vieler Hundehalter: Macht das viele Trainieren meinen Hund dick? Die Antwort ist einfach: nur wenn du die Leckerlis nicht einkalkulierst.

Als Faustregel gilt: Trainingsleckerlis sollten nicht mehr als 10 Prozent der täglichen Futterration ausmachen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Du musst die Hauptmahlzeiten entsprechend reduzieren.

Am besten bereitest du dir vor jedem Training eine festgelegte Menge an Leckerlis vor und ziehst diese von der normalen Futterportion ab. So behältst du den Überblick und vermeidest unbemerkte Kalorienüberschüsse.

Denk daran: Für deinen Hund zählt nicht die Größe des Häppchens, sondern die Häufigkeit der Belohnung. Lieber öfter ein kleines Stückchen geben als seltener einen großen Brocken.

Besonders bei Welpen ist Vorsicht geboten: Sie erhalten am Anfang des Trainings naturgemäß sehr viele Leckerlis. Ein zu schnelles Wachstum durch Überfütterung kann später zu Gelenkproblemen führen. Achte deshalb gerade in der Welpenzeit penibel auf die Gesamtkalorienmenge.

Vom Leckerli zum Lob: So baust du die Belohnung ab

Dein Hund soll natürlich nicht sein Leben lang nur für Futter arbeiten. Das Ziel ist, dass er auch ohne Leckerli zuverlässig auf dich hört. Wie kommst du dahin?

Schritt 1: Etabliere ein Lobwort

Kombiniere das Leckerli anfangs immer mit einem Lobwort wie „Fein“, „Prima“ oder „Gut“. Sag das Wort in einer freundlichen, hohen Stimmlage, während du gleichzeitig das Leckerli gibst. So lernt dein Hund, dass auch das Lobwort etwas Positives bedeutet.

Schritt 2: Variiere die Belohnung

Sobald ein Kommando gut sitzt, musst du nicht mehr jede korrekte Ausführung mit Futter belohnen. Wechsle ab: mal Leckerli, mal nur Lob, mal Streicheln, mal ein kurzes Spiel. Diese unvorhersehbare Belohnung hält die Motivation oft sogar höher als eine konstante Futtergabe.

Schritt 3: Jackpot-Belohnungen

Für besonders gute Leistungen gibt es einen „Jackpot“: mehrere Leckerlis hintereinander, begeistertes Lob und vielleicht sogar ein Spiel. So lernt dein Hund: Es lohnt sich, sich richtig anzustrengen.

Schritt 4: Unterscheide nach Wichtigkeit

Manche Kommandos sind wichtiger als andere. Ein zuverlässiger Rückruf kann lebensrettend sein – hier solltest du auch langfristig immer wieder mit Leckerlis belohnen. Bei einem einfachen „Sitz“ reicht nach einiger Zeit auch ein Lobwort.

 

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Alternative Belohnungen: Nicht nur Futter zählt

Leckerlis sind praktisch, aber längst nicht die einzige Möglichkeit, deinen Hund zu belohnen. Je nach Situation und Vorlieben deines Hundes können auch andere Verstärker sinnvoll sein:

  • Spiel: Für viele Hunde ist ein kurzes Zerrspiel oder das Werfen eines Balls die beste Belohnung überhaupt
  • Körperkontakt: Streicheln, Kraulen oder auch nur freundliche Aufmerksamkeit
  • Umweltbelohnungen: Dein Hund wartet vor einer Pfütze? Lass ihn als Belohnung hineinspringen. Er bleibt beim Spaziergang stehen und schaut dich an? Schick ihn als Belohnung zu seinem Hundekumpel zurück.

Die beste Belohnung ist immer das, was dein Hund in genau diesem Moment am meisten will. Variiere die Verstärker und halte deinen Hund damit auf Trab.

Häufige Fehler beim Einsatz von Leckerlis

Auch mit den besten Absichten kann man beim Training mit Leckerlis Fehler machen. Hier sind die häufigsten:

Fehler 1: Zu große Leckerlis
Dein Hund kaut minutenlang auf seinem Trainingssnack herum? Dann ist er zu groß. Zerteile die Leckerlis in kleinere Stücke.

Fehler 2: Schlechtes Timing
Die Belohnung kommt zu spät oder zur falschen Zeit. Übe das Timing bewusst – mit einem Markerwort oder Clicker wird es leichter.

Fehler 3: Immer die gleichen Leckerlis
Abwechslung hält die Motivation hoch. Nutze verschiedene Sorten und Wertigkeiten.

Fehler 4: Das Leckerli zeigen
Sobald dein Hund das Futter sieht, arbeitet er nur noch dafür. Halte es verborgen und überrasche ihn.

Fehler 5: Keine Anpassung der Futterration
Die Leckerlis kommen obendrauf statt von der Hauptmahlzeit abgezogen zu werden. Das führt unweigerlich zu Übergewicht.

Leckerlis in der passenden Größe findet man bei allen großen Anbietern, wie z.B. dem Futterhaus.

Besondere Situationen: Leckerlis in der Hundeführerschein-Prüfung

Übrigens: Auch bei der praktischen Prüfung zum Hundeführerschein sind Leckerlis in der Regel erlaubt. Du darfst sie als Belohnung einsetzen, um deinen Hund zu loben. Erkundige dich am besten vorab bei der prüfenden Stelle, ob es spezielle Vorgaben gibt.

Viele Hundehalter sind unsicher, ob sie in der Prüfung Hilfsmittel verwenden dürfen. Die Antwort: Ja, Leckerlis, Clicker und auch Spielzeug sind normalerweise gestattet – schließlich soll die Prüfung zeigen, wie du im Alltag mit deinem Hund umgehst.

Qualität auch bei Leckerlis: Worauf es ankommt

Wenn du Wert auf hochwertiges Hundefutter legst, solltest du denselben Anspruch auch an die Trainingsleckerlis haben. Schließlich können bei intensivem Training durchaus beachtliche Mengen zusammenkommen.

Achte auf:

  • Hohen Fleisch- oder Fischanteil
  • Transparente Zutatenliste
  • Keine Füllstoffe wie Getreide oder Zucker
  • Keine künstlichen Zusätze
  • Gute Verträglichkeit

Für weiterführende Informationen zur richtigen Fütterung deines Hundes findest du auf hundefutter-profi.de hilfreiche Ratgeber zu verschiedenen Futterarten und deren Zusammensetzung.

Fazit: Leckerlis sind ein Tool, kein Dauerzustand

Leckerlis im Hundetraining sind ein wertvolles Hilfsmittel – wenn du sie richtig einsetzt. Sie motivieren, schaffen klare Strukturen und machen das Training für deinen Hund zu einem positiven Erlebnis. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im richtigen Timing, der passenden Auswahl und dem schrittweisen Abbau der Futtergabe.

Verstehe Leckerlis als das, was sie sind: ein Werkzeug in deiner Trainingsausrüstung, nicht die Grundlage eurer Beziehung. Kombiniere sie mit Lob, Spiel und anderen Belohnungen. So wird dein Hund lernen, dass es sich lohnt, auf dich zu hören – mit oder ohne Leckerli in der Hand.

Und vergiss nicht: Die besten Trainingsmomente entstehen oft dann, wenn du das Leckerli in der Tasche lässt und dein Hund trotzdem freudig mit dir zusammenarbeitet. Das ist das Ziel – und es ist erreichbar.

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Bilder: © Depositphotos.com / Koldunova_Anna